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Oktober 2nd, 2016 by micha

Meditation  – auch in christlicher Tradition.

Wir leben in einer Zeit, in der jeder nach Entspannung ruft. Das Leben ist so stressig, so voller Reize, voller Ablenkung.
Wir leben in einer Zeit der Reizüberflutung, Leistungs- und Aufgabenverdichtung. Es wird immer mehr! Wir haben immer weniger Zeit.
Und das in einer Zeit, in der unglaubliche technische Innovationen entstanden sind, die unser Leben eigentlich vereinfachen sollten, uns eigentlich Zeit sparen sollten.
Doch wir lassen uns von diesen Innovationen versklaven, wir benutzen sie nicht um unser Leben einfacher zu machen, Zeit zu sparen, wir lassen uns von ihnen benutzen.
In den letzten Jahrzehnten sind riesige Märkte entstanden, Märkte der Ablenkung vom Leben, von uns selbst.
– Erwachsene Menschen laufen mit ihren Smartphones durch die Gegend, schauen nicht nach rechts und links und beschäftigen sich mit Zerstreuungsspielen die vom Konzept her früher mal für zwölfjährige entwickelt wurden.
– Wir tippen ständig irgendwelche Messages in die Welt hinaus, beschäftigen uns mit den größten Belanglosigkeiten. Das Handy liegt immer griffbereit, wir nehmen jegliche geistige Ergüsse ernst und diskutieren allen Mist der Welt, verschwenden unsere Zeit; wir verschwenden uns.
– Wir sitzen vor dem Fernseher, schauen über Tage, Wochen Serien die nichts mit uns und unserem Leben zu tun haben (ich muss zugeben, die Qualität der Serien ist heutzutage überzeugend, der Markt und das verfügbare Kapital ist ja auch immens).
– Wir verschwenden den ganzen Tag unsere Zeit und beschweren uns dann, dass uns die Zeit fehlt, dass wir ja gar keine Zeit für uns haben. Paradox.
– Wir nehmen die Arbeit und die ganzen Ablenkungen des Lebens ernster als uns selbst, ernster als unseren Geist, ernster als unser Inneres.
– Wir haben auch eine Industrie geschaffen, die sich um uns kümmern, wenn wir ausgebrannt sind, wenn wir einfach nicht mehr können, weil alles so viel wird, weil wir das alles einfach nicht mehr packen.
– Wir sehen heute sogar unseren Körper wichtiger an als unseren Geist. Viele wissen wahrscheinlich gar nicht, was ich mit Geist meine.
– Unsere Gesellschaft ist dazu ausgelegt, Fehler und die Schuld für das eigene Leid nur bei anderen oder anderem zu suchen. Wir beschuldigen Gesellschaft, Politiker, Arbeitgeber, „die Wirtschaft“, Freunde und Feinde, wir beschuldigen die Zeitlosigkeit, die große Menge an Aufgaben, das Wetter und alles, was wir finden. Wir beschuldigen immer andere oder anderes, aber nie uns selbst. Das schafft Distanz und Misstrauen.
Wir merken einfach gar nicht, dass wir es selber sind, weil wir bei allem mit dabei sein wollen.
– Wir sind eine Gesellschaft von Individualisten, die sich jeweils in einer feindlichen Umwelt sehen und sich, jeder einzelne, gegen sie wehren muss. Das ist stressig und aufreibend.

Einige haben das erkannt, versuchen wieder mehr für sich zu tun. Bei einigen ist es der oben schon erwähnte Körperkult, was allerdings zu noch weniger Zeit führt und bei einer gefühlten Überbelastung nur zeitlich bedingt helfen kann.

Meditation – Entspannung für den Geist

Einige haben erkannt, dass es einfach daran liegt, dass unser Verstand keine Ruhe hat. Wir sind den ganzen Tag beschäftigt. Wenn wir mal nichts zu tun haben, ist unser Geist beschäftigt, zu planen, was noch zu tun ist oder ist bei dem was der und der gestern zu uns gesagt hat, wie unverschämt und ungerecht alles doch ist.
Es ist wie Ping Pong. Unser Verstand ist ständig beschäftigt.
Ständig kommt etwas Neues hoch. Auch wenn wir eigentlich mit etwas anderem beschäftigt sind, denken wir unentwegt an andere Sachen, an gestern, an morgen, an vielleicht und warum.
Natürlich gibt es auch Momente, in denen wir voll und ganz im hier und jetzt sind, diese beschränken sich aber oft aufs Kartoffelschälen, weil wir uns sonst selber verletzen könnten.
Wir nehmen jeden Gedanken ernst, der sich da an die Oberfläche drängt, denken sogar, das wären wir, das wäre unser selbst, würde uns auszeichnen. Wir sind gefangene dieser Gedanken, Sklaven des Verstandes, der immer und immer nach Beschäftigung sucht, wir denken, dass wir nicht existieren, wenn unser Verstand, unser Geist nicht immer in Bewegung bleibt.

 

Aber das ist FALSCH, grundlegend FALSCH.

Wir sind nicht unser Verstand, unser Wir liegt darunter und unser Geist benötigt Ruhe.
Wir können es so verstehen: Unser Körper braucht schlaf um zu bestehen. Ohne Schlaf geht unser Körper zu Grunde.
So verhält es sich auch mit dem Geist, er benötigt Ruhe ebenso wie der Körper. Doch wir geben ihm keine Ruhe. Tags über denken wir ohne Unterlass, nachts träumen. Doch wenn der Geist keine Ruhe bekommt, dann löst er sich auf.
Das Ergebnis davon sehen wir jeden Tag in den Nachrichten, Krieg, Zerstörung, Tot, Leid, Egoismus, Egozentrismus.

Es gibt nur eine wirksame Möglichkeit, dem Geist wirklich Ruhe zu verschaffen[i] .

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Das wurde schon vor Jahrtausenden erkannt. Fast die gesamte fernöstliche Lehre fußt auf dieser Gewissheit. Hier wird der Weg der Meditation mit viel Wissen und Erfahrung gelehrt. Dort besteht Gewissheit, dass die Meditation der einzige Weg ist, sich und sein selbst wirklich kennen zu lernen.  Der Sinn besteht im Anfang immer darin, wieder Herr über seine Gedanken zu werden, bewerten zu können, ob ein Gedanke hilfreich ist oder nicht, entscheiden zu können, ob man ihm nachgeht, oder nicht.
Eine Fähigkeit, die viele gar nicht mehr besitzen. Viele Menschen reagieren einfach nur. Es geschieht ein Eingangsreiz oder Gefühl und die Reaktion passiert quasi automatisch und unbewusst. Das schlimme ist, dass diese unterbewussten Reaktionen nicht hinterfragt werden und als richtig und angemessen angesehen werden.

Meditation verschafft und die Möglichkeit, auch im „normalen“ Leben, außerhalb der Ruhe, zu entscheiden, ob wir einem Gedanken nachgehen oder nicht. Fleißige Übung in der Meditation gibt dem Geist seine Autorität zurück, rückt die Verhältnisse wieder in die richtige Reihenfolge. Lässt den Herrn wieder herrschen.

Meditation gibt uns Ruhe und Zeit für uns, sie ist Konzentration, Entspannung, Urlaub für den Geist. Meditation kann die Zeit ohne Gedanken sein, nach der wir uns doch so sehr sehnen. Meditation gibt uns die Verantwortung für uns und unser Leben zurück, schafft aber auch ein Verbundenheitsgefühl mit anderem, mit allem. Mediation ist der Weg zu uns selbst.

Der Weg der Mediation zeigt immer nach oben, ist immer noch zu steigern. Die Erkenntnisse, die man dabei in seinem Selbst findet, die man erlebt, können uns verändern, uns erwachsener machen.

Viele sehnen sich nach dieser Beschäftigung mit dem selbst und suchen sie. Zurzeit finden sie fast ausschließlich Hilfe in den fernöstlichen Lehren.

Kontemplation – der christliche Weg der Mediation

Was viele nicht wissen.
Auch das Christentum hat eine ebenso entwickelte Tradition der Meditation bzw. Kontemplation wie der Buddhismus oder der Hinduismus. Leider ist sie nur weitgehend in Vergessenheit geraten. Teilweise wird sie als Geheimlehre bezeichnet, was aber quatsch ist.

Die institutionellen Kirchen haben so ihre Probleme mit den Praktiken, weil sie die Verbundenheit jedes einzelnen in den Vordergrund stellen. Vielleicht haben sie Angst, dass die Glaubenden denken, die Kirchen wären nicht mehr benötigt, wenn jeder Gott auch in sich selber finden kann.
Ich denke aber, dass die Kirchen da falsch liegen, ich sehe eine große Chance darin, in Gemeinschaft die Kontemplation zu üben, am besten sogar in den Kirchen, um die Besinnung und Begeisterung wieder in die Kirchen zurück zu holen, um den Gläubigen eine große Hilfe mit auf dem Weg zu geben und das genau aus ihrem Glauben heraus.

 

Christliche Meditation – ein Angebot

Meine Frau und ich wollen Anfang nächsten Jahres in der evangelischen Kirchengemeinde St. Georg in Hattingen (speziell im Gemeindezentrum Holthausen) einen Workshop ins Leben rufen und die christliche Meditation, die Kontemplation, wieder dahin zurück holen, wo sie hingehört. In die Kirche.

 

Wer hat Interesse?

Wir würden Euch, gerne auch schon im Vorfeld, an unseren Erfahrungen teilhaben lassen. Meine Frau und ich werden dazu noch in diesem Jahr zwei Mal auf den Benediktushof nach Holzkirchen fahren und dort im Schweigen an Kontemplationswochenenden teilnehmen.

Im Prinzip stellen wir uns das so vor, dass wir einmal die Woche den Kontemplationsworkshop abhalten. Im Anfang wird immer ein halb- bis dreiviertelstündiger Vortrag zum Thema Mediation mit Hintergründen und Techniken gehalten. Dann wird gemeinsam meditiert. Natürlich bleibt im Anschluss auch Zeit, das erfahrene zu besprechen.

Ich werde in nächster Zeit einige Vorträge vorbereiten und in diesem Blog veröffentlichen. Auch hier bitte ich um rege Teilnahme.

 

[i] Natürlich möchte ich damit nicht Erlebnisse, wie z.B. in der Natur, abwerten. Das was man z.B. auf einem Berggipfel, einem Aussichtspunkt oder im Wald erleben kann, diese Verbundenheit, kann man jederorts und gesteuert auch bei der Innenschau der Meditation erleben. Viele haben nicht die Möglichkeit einfach auf einen Berg zu steigen oder in den Wald zu gehen.

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